Was hat Google an der Lernphase von Smart Bidding eigentlich geändert?
Google hat am 22. September die Dokumentation zur Lernphase überarbeitet. Statt wie bisher über Zeiträume zu sprechen, nennt Google jetzt rund 50 Conversion-Ereignisse oder drei Conversion-Zyklen, bis eine Gebotsstrategie kalibriert ist. Das gilt für Search, Shopping und Performance Max.
Auf den ersten Blick wirkt das wie eine reine Umformulierung. Wir sehen darin mehr: Google sagt damit ziemlich offen, dass die Automatisierung bis zu diesem Punkt noch schätzt. Ein Zeitraum lässt sich leicht abwarten, eine Datenmenge nicht. Und genau da beginnt im B2B das Problem.
Warum ist die Zahl 50 im B2B ein ganz anderes Problem als im E-Commerce?
Wer Produkte im Onlineshop verkauft, hat 50 Conversions oft an einem Wochenende zusammen. Im B2B sieht die Welt anders aus. Die Zielgruppen sind klein, die Produkte erklärungsbedürftig und die Zahl qualifizierter Anfragen pro Monat bewegt sich häufig im überschaubaren Bereich.
Rechnen wir das einmal grob durch: Kommen pro Monat nur eine Handvoll bis ein paar Dutzend echte Anfragen rein, dauert es schnell ein Quartal oder länger, bis die 50 erreicht sind. Bei langen Entscheidungsprozessen kommen die drei Conversion-Zyklen noch obendrauf. In dieser Zeit steuert der Algorithmus mit einer Datenbasis, die für seine Verhältnisse dünn ist.
Deshalb wirkt "Smart" Bidding in dieser Phase manchmal gar nicht so smart. Die Ergebnisse schwanken, und das liegt selten am Kanal selbst.
Was passiert, wenn Google mit zu wenig Daten steuern muss?
Die typischen Symptome kennen wir aus vielen Konten: Die Kosten pro Lead springen von Woche zu Woche, die Ausspielung wird schwer vorhersehbar und Budgets werden mal nicht ausgeschöpft, mal ungewöhnlich schnell verbraucht. Das verunsichert, gerade wenn intern jemand fragt, was da eigentlich passiert.
Ein Punkt wird dabei oft übersehen. Ist ein Ziel-CPA oder Ziel-ROAS zu restriktiv gewählt, nimmt die Kampagne kaum noch an Auktionen teil. Google warnt inzwischen selbst davor: Die neue Ads-API v25.2 gibt entsprechende Warnungen aus, wenn Vorgaben so eng sind, dass die Ausspielung fast zum Erliegen kommt.
Viele ziehen an dieser Stelle vorschnell den Schluss, dass die Automatisierung im B2B nicht funktioniert. Wir sehen das anders. Sie bekommt in vielen Fällen einfach nicht das, was sie zum Arbeiten braucht.
Wie lassen sich mehr Conversion-Signale erzeugen, ohne mehr Leads zu brauchen?
Die gute Nachricht: Du musst nicht zwingend mehr Leads generieren, um dem Algorithmus mehr Lernmaterial zu geben. Du kannst den Blick auf das erweitern, was vor und nach dem Lead passiert. Dafür gibt es drei Hebel:
- Micro-Conversions: Zusätzliche Signale wie Demo-Anfragen, Downloads oder Kontaktformulare zeigen Google, welche Besucher echtes Interesse haben, auch wenn daraus nicht sofort ein Abschluss wird.
- Lead-Qualitätsstufen: Wenn du Leads bewertest, zum Beispiel nach Passung oder Kaufwahrscheinlichkeit, kannst du diese Information an Google zurückspielen. So lernt der Algorithmus, nach welchen Kontakten er suchen soll und welche nur Aufwand verursachen.
- Offline-Conversion-Import aus dem CRM: Ob HubSpot, Salesforce oder ein anderes System, entscheidend ist, dass Ergebnisse wie qualifizierte Gespräche oder Abschlüsse zurück in Google Ads fließen.
Wichtig ist uns dabei die Ehrlichkeit der Signale. Ein Signal, das jeder Besucher nach zwei Klicks auslöst, klingt nach viel Datenmenge, sagt aber wenig aus. Denk an einen Verkäufer, der nach jedem Handschlag auf der Messe eine Erfolgsmeldung nach Hause schickt. Am Ende hat die Zentrale viele Nachrichten, aber kein klares Bild.
Wie sollte eine Kampagnenstruktur bei wenig Daten aussehen?
Bei knappen Daten gilt für uns eine einfache Regel: konsolidieren statt zersplittern. Wer sein Konto in viele kleine Kampagnen aufteilt, verteilt die wenigen Conversions auf zu viele Töpfe. Jede Kampagne lernt dann für sich allein, und keine bekommt genug.
Weniger, dafür stärkere Kampagnen bündeln die Signale und geben dem Algorithmus eine bessere Chance. Auch Portfolio-Strategien können helfen, Daten über mehrere Kampagnen hinweg zu nutzen. Das ersetzt keine saubere Struktur, kann sie aber sinnvoll ergänzen.
Und dann gibt es Fälle, in denen wir ehrlich sagen: Manuelles Bidding kann im B2B die bessere Wahl bleiben. Wenn das Datenvolumen dauerhaft sehr niedrig ist und selbst Micro-Conversions und CRM-Import nicht genug Substanz liefern, bringt Kontrolle mehr als Hoffnung auf den Algorithmus. Automatisierung ist kein Selbstzweck.
Wie gehen wir mit Zielvorgaben in der Lernphase um?
In der Lernphase starten wir bewusst locker. Ein großzügig gewählter Ziel-CPA oder Ziel-ROAS gibt dem Algorithmus Spielraum, überhaupt an Auktionen teilzunehmen und Daten zu sammeln. Zu früh zu streng zu sein, fühlt sich effizient an, bremst aber genau das Lernen aus.
Nachgeschärft wird schrittweise, sobald belastbare Daten vorliegen. Dabei achten wir auf stabilere Kosten pro Lead, eine berechenbarere Ausspielung und darauf, dass die Ergebnisse nicht mehr von Woche zu Woche wild schwanken. Ein festes Datum gibt es dafür nicht. Entscheidend ist, dass genug Signale zusammengekommen sind, die auch eine Aussage über die Qualität der Leads zulassen.
Was bringen AI Max, AI Brief und das neue Reporting für DACH-Konten?
Auf der DMEXCO in Köln hat Google einige Neuerungen vorgestellt. AI Brief steht jetzt auf Deutsch zur Verfügung, sodass sich Kampagnenanweisungen in natürlicher Sprache eingeben lassen. Außerdem wurde ein neues AI-Max-Reporting angekündigt, das Suchanfrage, Anzeige und Landingpage erstmals in einer Ansicht zusammenführt.
Das ist ein echter Fortschritt bei der Transparenz. Gleichzeitig muss man ehrlich einordnen: Das Reporting kommt laut Ankündigung erst später in 2026. Und Google lässt sich weiterhin nicht in die Karten schauen, welcher Anteil der Klicks aus dem AI Mode stammt. Blindspots bleiben also bestehen.
Unsere Haltung dazu: Die Funktionen sind eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für ein durchdachtes Setup. Wenn Conversion-Definition und Struktur nicht stimmen, macht auch die klügste Anweisung in natürlicher Sprache daraus keine gute Kampagne. Erst die Grundlagen, dann die Extras.
Welche fünf Fragen sollten wir klären, bevor eine B2B-Kampagne auf Ziel-CPA umgestellt wird?
Bevor wir eine Kampagne auf eine Zielvorgabe umstellen, gehen wir immer dieselben fünf Punkte durch:
Wenn du bei zwei oder mehr Fragen ins Zögern kommst, lohnt sich ein genauer Blick, bevor du umstellst. Meist ist es dann nicht die Gebotsstrategie selbst, die Ergebnisse schwanken lässt, sondern das, was ihr vorgelagert ist.
Fazit
Smart Bidding ist im B2B kein Selbstläufer, denn Googles Automatisierung braucht Daten, die bei kleinen Zielgruppen und langen Entscheidungsprozessen nur langsam zusammenkommen. Die neue Orientierung an rund 50 Conversion-Ereignissen macht das offensichtlich.
Wer Kampagnen konsolidiert, saubere Conversion-Signale aus dem CRM einspielt und Zielvorgaben in der Lernphase locker hält, gibt dem Algorithmus eine faire Chance. Neue KI-Funktionen wie AI Max und AI Brief sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber weder ein durchdachtes Setup noch strategische Steuerung.
Wenn du wissen möchtest, wie es um Conversion-Setup und Gebotsstrategie in deinem Konto steht, machen wir gern einen kostenlosen Google-Ads-Konto-Check mit genau diesem Fokus.