SEO & GEO

Was bedeuten AI Overviews in fast 4 von 10 Suchen eigentlich für B2B-Websites?

AI Overviews und AI Mode kosten Klicks. Warum die Publisher-Zahlen B2B nicht in gleicher Härte treffen und welche Inhalte und Kennzahlen jetzt zählen.

Porträt von Floreal Rubio SerranoFloreal Rubio SerranoGeschäftsführer
Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit
Illustration: Suchergebnisseite mit hervorgehobener KI-Antwortbox über den klassischen Ergebnissen

Was zeigen die aktuellen Zahlen zu AI Overviews, AI Mode und Klickverlust?

Innerhalb von nur einer Woche sind gleich mehrere Datenpunkte aufgetaucht, die dasselbe Bild zeichnen. Laut Comscore enthielten im Juni 39,4 % der US-Desktop-Suchen eine AI Overview, ein Jahr zuvor waren es noch 25,8 %. Fast jede zweite Suche liefert also inzwischen eine KI-Antwort direkt in den Ergebnissen mit.

Dazu passt eine Studie der University of Pennsylvania und der Northeastern University mit über 1.100 Nutzern. Sie zeigt, dass der AI Mode die Klicks auf externe Websites um 18,8 Prozentpunkte senkt und Nutzer teilweise sogar zu anderen Suchmaschinen treibt. Chartbeat meldet für Publisher außerdem einen Rückgang des Google-Search-Traffics um 40,2 % im Jahresvergleich, während Verweise aus KI-Systemen nur bei rund 0,01 % liegen.

39,4 %
US-Desktop-Suchen mit AI Overview (Juni)
−18,8 Pp.
weniger Klicks auf externe Websites im AI Mode
−40,2 %
Google-Search-Traffic bei Publishern
25 % +
AI Overviews mit externen Links

Am Ende einer AI Overview verlinkt Google zudem Folgefragen, die nicht auf Websites, sondern direkt in den AI Mode führen. Der Nutzer bleibt damit im Google-Kosmos, statt zu uns zu kommen.

Es gibt aber auch eine Gegenbewegung. Laut Peec AI enthalten inzwischen über 25 % der AI Overviews externe Links, vorher waren es fast null. Wer in der Antwort verlinkt wird, gewinnt also wieder Sichtbarkeit.

Warum ist B2B nicht gleich Publisher?

Die Zahlen aus der Publisher-Welt klingen dramatisch, und für Nachrichtenseiten sind sie es auch. Publisher leben davon, dass möglichst viele Menschen auf informationale Inhalte klicken. B2B-Unternehmen verdienen ihr Geld dagegen nicht mit Seitenaufrufen, sondern mit Anfragen und Aufträgen.

Wir beobachten, dass sich AI Overviews vor allem bei Suchanfragen zeigen, die etwas erklären wollen. Transaktionale und anbieterbezogene Suchen wie „Anbieter für X" oder konkrete Produktnamen bleiben bislang weitgehend verschont. Wer eine Lösung kaufen will, sucht eben selten nach einer Definition.

Der Schmerz sitzt dort, wo bisher Ratgeber- und Wissensinhalte für Awareness gesorgt haben. Das sind genau die Artikel, die früher zuverlässig Traffic gebracht haben. Sinkende Klickzahlen bedeuten deshalb nicht automatisch sinkende Nachfrage, sondern oft nur, dass die erste Frage jetzt woanders beantwortet wird.

„Panik hilft nicht, ein nüchterner Blick auf die eigenen Daten schon.“

Floreal Rubio Serrano, Geschäftsführer

Was passiert mit dem Trichter, wenn die KI die Awareness-Phase übernimmt?

Stell dir vor, jemand fragt im Büro einen Kollegen, worauf man bei einer Anschaffung achten sollte. Der Kollege antwortet direkt, und die Person muss nie in den Ratgeber schauen. So ähnlich funktioniert die KI-Antwort: Sie beantwortet die erste Frage, bevor jemand unsere Website überhaupt sieht.

Für die eigene Website bleibt damit vor allem die Phase, in der Vertrauen, Vergleich und Entscheidung stattfinden. Hier entscheidet sich, ob aus Interesse eine Anfrage wird. Genau deshalb verschieben sich die Rollen der Inhalte im Trichter. Basiswissen übernimmt zunehmend die KI, während unsere Seiten die Tiefe, die Belege und die Einordnung liefern müssen.

Damit verliert Traffic als KPI für Content im B2B deutlich an Aussagekraft. Eine Seite kann viele Besucher haben und trotzdem keine einzige Anfrage vorbereiten. Umgekehrt kann eine Seite in KI-Antworten auftauchen, Marken bekannt machen und später den entscheidenden Impuls geben, ohne dass im Report ein Klick sichtbar wird.

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Was macht Inhalte zitierfähig statt nur rankbar?

Rankbar war früher, wer die passenden Keywords sauber untergebracht hat. Zitierfähig ist, wer etwas liefert, das eine KI nicht einfach selbst zusammenbauen kann. Das ist der wesentliche Unterschied.

Ein Preisrahmen mit nachvollziehbaren Einflussfaktoren ist für eine KI ein starker Baustein, ein allgemeiner Absatz über „die Vorteile von Qualität" dagegen nicht. Je konkreter und belegbarer ein Inhalt ist, desto eher wird er aufgegriffen.

Auf der anderen Seite gibt es Formate, die wir getrost einstellen können. Dazu gehören die x-te Erklärung eines Begriffs, den jede KI längst souverän beantwortet, und Listen-Artikel ohne eigene Perspektive. Sie kosten Zeit, bringen kaum Sichtbarkeit und gehen in der Masse unter.

Wie messen wir Erfolg, wenn Klicks nicht mehr reichen?

Wer weiter nur auf Klicks schaut, misst mit einem Maßstab, der die Realität nicht mehr abbildet. Wir empfehlen deshalb, die neuen Search-Console-Berichte zu generativer KI als festen Bestandteil des Reportings einzuführen. Sie zeigen, ob und wie Inhalte in KI-Antworten auftauchen, und liefern damit eine Sicht, die reine Klickzahlen nicht bieten.

Dazu kommen Brand-Mentions in ChatGPT, Gemini und Perplexity. Wird unser Unternehmen genannt, wenn nach Lösungen oder Anbietern gefragt wird? Das lässt sich manuell prüfen und mit Tools regelmäßig beobachten.

Außerdem lohnt der Blick auf Assisted Conversions statt auf reines Last-Click-Denken. Viele Anfragen entstehen nach mehreren Berührungspunkten, und einer davon ist heute häufig eine KI-Antwort. Weniger Klicks bei gleichbleibender Anfragequalität sind deshalb noch kein Alarmsignal. Sinkt dagegen die Qualität der Anfragen, sollten wir genauer hinsehen.

Wie sieht ein realistischer Fahrplan für die nächsten 90 Tage aus?

Ein Umbau muss nicht als Großprojekt starten. Wir empfehlen, in drei Etappen vorzugehen.

In den Wochen 1 bis 4 steht der Content-Audit an. Welche Seiten verlieren Klicks, und welche liefern trotzdem noch Anfragen? Erst mit dieser Antwort wissen wir, wo wirklich Handlungsbedarf besteht.

In den Wochen 5 bis 8 konsolidieren wir schwache Inhalte. Mehrere dünne Artikel zum selben Thema werden zusammengeführt, veraltete Seiten überarbeitet und die Prioritäten neu gesetzt.

In den Wochen 9 bis 12 bauen wir Referenzinhalte auf und richten das neue Reporting ein. Hier entstehen die Vergleiche, Preisrahmen und Erfahrungsberichte, die zitierfähig sind.

Ob der Kurs stimmt, erkennen wir daran, dass die Sichtbarkeit in KI-Antworten steigt, die Anfragequalität stabil bleibt und die Inhalte klarer zwischen Wissen und Entscheidung unterscheiden.

Fazit

AI Overviews und AI Mode verändern, wie Menschen Informationen finden. Für B2B-Unternehmen ist das kein Grund zur Panik, aber ein klarer Auftrag zum Umdenken. Die Publisher-Zahlen zeigen die Richtung, treffen B2B aber nicht in gleicher Härte, weil vor allem informationale Suchanfragen betroffen sind, während anbieterbezogene Suchen bislang stabiler bleiben.

Wer weiter nur auf Traffic schaut, misst mit dem falschen Maßstab. Entscheidend ist, ob die eigenen Inhalte in der Antwort auftauchen, ob sie zitierfähig sind und ob sie Anfragen vorbereiten. Mit Referenzinhalten, sauberer Struktur und neuen Kennzahlen lässt sich Sichtbarkeit auch in einer Welt mit weniger Klicks aufbauen.

Wie sichtbar ist dein Unternehmen eigentlich schon in AI Overviews, ChatGPT und Perplexity? Genau das prüfen wir in unserem GEO-Sichtbarkeits-Check. Wir zeigen dir, wo du bereits zitiert wirst, wo Wettbewerber vorn liegen und welche Inhalte den größten Hebel haben.

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Häufige Fragen zu diesem Thema

Ergibt SEO im B2B überhaupt noch Sinn, wenn der organische Traffic sinkt?
Ja, aber mit verändertem Fokus. Bei informationalen Themen geht der Traffic zurück, dafür gewinnen Zitierfähigkeit und anbieterbezogene Sichtbarkeit an Bedeutung. SEO wird damit weniger zur Klickjagd und mehr zur Frage, ob das Unternehmen in Antworten und Entscheidungen vorkommt.
Welche Inhalte brauchen B2B-Unternehmen trotz AI Overviews weiterhin?
Inhalte, die eine KI nicht selbst erfinden kann. Dazu zählen Vergleiche, Preisrahmen, technische Spezifikationen und Erfahrungswerte aus der Praxis. Sie helfen Interessenten in der Entscheidungsphase und werden von KI-Systemen gern als Quelle herangezogen.
Was ist der Unterschied zwischen klassischer SEO und Generative Engine Optimization?
Klassische SEO zielt auf Rankings und Klicks, Generative Engine Optimization auf Zitierfähigkeit und Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten. In der Praxis ergänzen sich beide, denn saubere Struktur und starke Inhalte helfen in beiden Welten.
Wie messe ich die Sichtbarkeit meines Unternehmens in KI-Antworten?
Die neuen Search-Console-Berichte zu generativer KI sind ein guter Startpunkt. Dazu kommen die Beobachtung von Brand-Mentions in ChatGPT, Gemini und Perplexity sowie Assisted Conversions im Reporting. Ein GEO-Sichtbarkeits-Check bündelt diese Perspektiven in einer ersten Bestandsaufnahme.
Sollten wir bestehende Ratgeber-Artikel löschen oder überarbeiten?
Weder noch pauschal. Zuerst werten wir aus, welche Artikel noch Anfragen vorbereiten. Danach konsolidieren wir schwache Inhalte, schärfen brauchbare und bauen ausgewählte Themen zu echten Referenzinhalten aus.

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Fragen zum Beitrag | 30 Min

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